Außer der Reihe

Hier werden die Titel ohne französische Fassung
aufgeführt.
Darunter die außerdem vom Verlag Im Wald vertriebenen Titel.

    In  alphabetischer Reihenfolge:

 Liliane Atlan: Eine Oper für Terezin
deutsch
mit 32 Illustrationen von Künstlern,
die in Theresienstadt inhaftiert waren
(Bedrich Fritta, Leo Haas u.a.)
153 Seiten, 24,5 x 18 cm, 15 Euro

Auf dem Umschlag eine Kinderzeichnung (von Eva Meitner,
die im Alter von 12 Jahren in Theresienstadt war): Personen
in Festtagskleidung sitzen um einen gedeckten Tisch. Die
Erklärung findet sich im Nachwort der Verfasserin:
"Von allen Menschen, die eine Zeit lang im Ghetto Terezin
waren, haben 5% überlebt, davon o,62% Kinder.
Wie kann man bei solchen Zahlen eine sogenannte historische
Wiedergabe wagen?
Keine der bekannten künstlerischen Formen war angemessen,
um diese Geschichte zu schreiben, und doch war es mir
unmöglich, sie nicht zu schreiben.
Ich habe mich schließlich nach der Haggadah ausgerichtet,
dem Bericht über die Entstehung des jüdischen Volkes.
Ich habe den Ritus der Entstehungsgeschichte eines Volkes
zweckentfremdet, um seine Vernichtung auf solche Weise
zu erzählen, daß sie zugleich erinnert und erlebt werden
kann."
Das Buch ist also ein Textbuch für eine Gedenkfeier. Es
"erzählt die Geschichte der im Ghetto von Theresienstadt
inhaftierten Musiker; sie waren ausgehungert und besaßen
fast keine Instrumente, aber sie spielten Quartette und Opern
und führten Verdis Requiem auf - wegen der Deportationen
mußte der Chor andauernd neu gebildet werden - ; schließlich
sangen sie für sich selber das Requiem, als sie in den Tod
gingen."
 Israël Eliraz: Hölderlin
hebräisch-deutsch
Übersetzung: Sonja Elgner
gemeinsam herausgegeben mit der Zeitschrift NEUE SIRENE
111 Seiten, 21 x 13,5 cm, 14 Euro

" 'Im Alter von 33 Jahren hörte Friedrich Hölderlin auf, Gedichte
zu schreiben. Man sagt, sein Geist wurde verwirrt. Er erkrankte
und wurde eingewiesen (in die Psychiatrie). Nach einiger Zeit
wurde er der Vormundschaft der Familie des Schreiners
Zimmer übergeben.'
So das vorläufige Ende eines der großen Dichter. Doch Israël
Eliraz schreibt in Hölderlin die Geschichte fort. 5o Gedichte
hat er Hölderlin gewidmet; Sonette, die von all dem Regelwerk
allerdings nicht mehr als die Länge von 14 Zeilen einhalten.
Eine Hommage an einen, der am Schreiben verzweifelt ist, 
an den Worten des Dichters als Mensch gescheitert, an einer
Aufgabe, di zu groß für ihn war und die ihn nicht losläßt:
'...Er weinte, weil er nicht / die Kraft zum Schweigen hatte...'
Hölderlin, der Dichter und Schreiner, der mit dem Pferd,
dem Fluß und seinen Läusen spricht, der den Sinn im Holz
des geschreinerten Stuhles sucht, der sich selbst aufgeben
möchte: 'Ich befreie mich von mir selbst, lösche mich aus,...'
Seine Gedanken kreisen um den Stuhl, den Wahnsinn und
das Nichts. 'Ein Tisch pro Woche, ein Stuhl pro Tag. Tisch,
/ Stuhl. Tee, Zucker, Tabak. // Das ist sein Leben.' Hölderlin
erscheint in diesem Gedichtband als zweifelnder Verzweifel-
ter: Wo ist der Sinn? Wo ist Gott? Wo der Mensch? Und wo
der Dichter? Ist alles Tun und Denken bedeutungslos? 'Und
es gibt auch das Nichts / das uns nicht zurückgibt / was wir
in es investierten,' heißt es bei Eliraz. Hölderlin fühlt sich
noch nicht geboren, glaubt, die Sprache in seinem Inneren
erst wird ihn gebären. Alles scheint unwirklich, Tatsache
ist nur das Holz des Stuhles. Gott hat den Dichter verlassen.
Nicht umsonst ist dem Gedichtband das Zitat 'Nah ist / und
schwer zu fassen der Gott' aus Hölderlins Patmos vorangestellt.
Denn auch um dieses Thema kreist der Gedichtzyklus. Wenn
alles verloren ist, selbst der Glaube an den unfaßbaren Gott,
bleibt Hölderlin als letzte Aufgabe das Vordringen in die Leere.
Dabei hilft ihm das Schreinerhandwerk und das Pferd, das
zuletzt vor den Leichenkarren gespannt wird. Das Pferd als
letzte Konstante in Hölderlins Leben. Ergriffen bleibt der Leser
zurück, ergriffen davon, wie Eliraz mit Hilfe seiner deutschen
Übersetzerin Sonja Elgner'die Erinnerung eines Verlassenen,
dessen / keiner mehr gedenkt' heraufbeschwört. Man spürt,
daß der israelische Lyriker, Dramatiker usw nicht nur sein
Handwerk versteht, sondern auch in die Seele des Dichters
hineinzublicken vermag. Man muß das Werk Hölderlins
nicht kennen, um zu verstehen, was Eliraz in diese traurig-
liebevolle Hommage an einen der größten deutschsprachigen
Dichter heingelegt hat."
(Susanne de la Fuente, in: Fliegende Literatur-Blätter,
Schweinfurt, November 2oo1)

"(...) als leitmotivische Chiffre eines Gedichtzyklus über
Probleme des lyrischen Schreibens im Allgemeinen feiert
Hölderlin im gleichnamigen Gedichtband von Israël Eliraz
eine Auferstehung. Das umfangreiche lyrische Werk des
1936 in Jerusalem geborenen Eliraz ist auf Deutsch bisher
nur in der Zeitschrift Neue Sirene erschienen, die auch
diesen Band mit herausgibt. Der 4o-jährige Aufenthalt
des 'geistig umnachteten' Hölderlin bei der Familie des
Schreiners Zimmer - die Zeit, in der er nicht mehr schrieb - 
dient dem Zyklus von 5o Gedichten als Ausgangspunkt.
Mit einer Biografie in Versen hat das aber nichts zu tun;
statt sich allzu eng an den historischen Hölderlin zu
halten, thematisieren die Texte den problematischen
Zusammenhang von Körper, Bewusstsein und Sprache,
von Religion, Poesie und Wahnsinn vor einem durchaus
modernen Horizont und arbeiten z.B. auch mit Bezugnahmen
auf Zen, Nietzsche und v.a. Paul Celan. 'Ich bin dazu
verurteilt, ich zu sagen, wo ich / sagen sollte mein Körper.'
Ein stets wiederkehrendes Motiv ist dabei die Frage,
inwieweit Sprache ein zuverlässiges Medium des Erinnerns
an das flüchtige menschliche Subjekt sein kann: 'warum
steht am Himmel (wie auf einer Schultafel) / nur geschrieben,
was ausgelöscht wird?' "
(Zeitriss, 2 / 2oo1, Augsburg)
 
 Martin Fendrych: Mundhöhle
tschechisch-deutsch
Übersetzung: Dorothea Müller-Ott
Umschlag: Viko Bauer
119 Seiten, 21 x 13 cm, 1o Euro

UNGEDICHT
(im alten Stil)

grabt euch aus
grabt euch aus und setzt euch in bewegung
geniert euch nicht
geniert euch nicht und beginnt zu singen
kinder
fragt nach Gott
wer ist das Gott und was ist das Gott und wozu ist Gott
und woher ist Gott und wohin führt er
das ist erlaubt
kinder
inmitten des wunders
kinder
was ist das Gott
sie sagten daß sich um Gott mein leben dreht
sträfling weine
dein Gott ist dann gefängniswärter
seine faust heiligt deine zähne
mensch schweige
dein Gott ist dann arbeit
papiere infarkte und magengeschwüre
(...)
 Ángela García: Sternige Klippe
 spanisch-deutsch
 Übersetzung aus dem kolumbianischen Spanisch: Juana Burghardt
 Mit einem Vorwort von Tobias Burghardt
 Umschlag: Juana Burghardt
 Edition Delta, Stuttgart, in Zusammenarbeit mit dem Verlag Im Wald
 1o6 Seiten, 21 x 13 cm, 12 Euro

 FARALLÓN CONSTELADO

 Desde lo más oscuro
 arriba en las montañas

 un manto de luces
 al cabo de los días
 se descuelga

 Visión de joyas engastadas
 en la noche densa
 de los barrios míseros

 Campo minado

 STERNIGE KLIPPE

 Aus tiefster Dunkelheit,
 hoch oben in den Bergen,

 eine Lichtdecke
 am Tagesende,
 die herabhängt.

 Der Anblick von eingearbeiteten Edelsteinen
 in der schweren Nacht
 der Elendsviertel.

 Minenfeld.
 
 Abdellatif Laâbi: Die Sonne stirbt
deutsch
Übersetzung: Rüdiger Fischer
gemeinsam herausgegeben mit dem Verlag
Brandes & Apsel, Frankfurt
1o8 Seiten, 2o,5 13 cm, 12,8o Euro

"Kommen wird
die Anarchie der Rosen
die Ratlosigkeit der Wüste
die Melancholie der Flüsse
Die Frauen
werden vorausgehen

Der marokkanische Dichter und Schriftsteller, geboren
1942 in Fes, sieht sich als Mann zwischen Angelpunkten:
zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen zwei
Sprachen, zwischen Leben und Tod. Seine Biographie
ist für einen maghrebinischen Intellektuellen eine leider
typische, er macht die Erfahrungen von Gefängnis,
Folter und Exil; die von ihm begründete Literaturzeitschrift
Souffles wird verboten. Seine Gedichte spiegeln
Zerrissenheit, Verzweiflung und Aufbegehren wieder,
künden aber auch von seiner tiefen Humanität, von
einer Sonne, die allen Menschen gleichermaßen Licht
und Wärme gibt, vermitteln philosophische Erkenntnisse.
Der hier vorliegende Band ist der erste auf deutsch
erschienene (Lyrikband), die Übersetzungen bewahren
die poetische Sprache des Dichters."
(Deutsch-Maghrebinische Gesellschaft, Medienspiegel,
März 2oo1)

"Abdellatif Laâbi zählt zu den wichtigsten Dichtern des
Maghreb. Er schreibt von der Vernichtung der Träume -
und ihrem Weiterleben in einer Welt der Gewalt. Der
Zerrissenheit, von der viele seiner Gedichte handeln,
setzt er die Revolte und die Hoffnung entgegen. (...)"

(taz, 3o. Oktober 2ooo)
 Abdellatif Laâbi: Die Umarmung der Welt
 deutsch
Übersetzung: Rüdiger Fischer
gemeinsam herausgegeben mit dem Verlag
Brandes & Apsel, Frankfurt
142 Seiten, 2o,5 x 13,5 cm, 14,8o Euro

DIE BROSAMEN UNTERM TISCH

Den Brosamen unterm Tisch
geb ich ihren Adel zurück
Ich bücke mich demütig
hebe sie auf, küsse sie einzeln
und leg sie in den hohen Spalt
O Wand, die einzustürzen droht
o wissende Schwalben
die schon die Nester verlassen
O Welt, gestrandet wie ein stolzes Segelschiff
hiermit geb ich diesen Brosamen ihren Adel zurück
Ich leg sie in den hohen Spalt
und sag: dies ist mein Geist
aufgelesen unterm Tisch

(Rubrik DAS GEDICHT, in: DIE ZEIT, 28. 11. 2oo2)
 Paolo Ruffilli: Dunkelkammer
italienisch-deutsch
Übersetzung: Tobias Burghardt und Rüdiger Fischer
182 Seiten, 19 x 11 cm, 12 Euro

"Nicht in Wachs, sondern in Worte gießt Paolo Ruffilli Menschen.
Dunkelkammer - Camera oscura heißt sein italienisch-deutscher
Gedicht-Band. Minutiös beschreiben die freien Verse Bilder,
Familienfotos. Doch die Darstellung bleibt kein lebloses Abbild:
Die Bilder verschwimmen ineinander, verweben sich zu einer
sehr lebendigen und dramatischen Familiengeschichte. Die
Verse erzählen von Leiden, von Verletzungen in melancholischem
Ton. Ruffilli zeigt, daß eine Familien-Saga nicht mehrere Hundert
Seiten füllen muß. Präzise gesetzte Worte schildern Befindlichkeiten
teils deutlicher, als es ausufernde Satzgebilde könnten."
('zuu', in: WAZ, 7. 12. 2oo2)

"Paolo Ruffilli stellt seinem Gedichtband Dunkelkammer ein Zitat
voran, das er Roland Barthes' großem Fotografie-Essay 'Die helle
Kammer' entnimmt. Wie der gegensätzliche Titel schon ahnen läßt,
handelt es sich Ruffillis Gedichten allerdings nicht um in Verse
gestzte Theorie. Dunkelkammer ist eine Familienbiographie, die
anhand von Fotografien mitgeteilt wird: Auf eine kurze Bildbeschreibung
folgt eine Reflexion über das Umfeld, in dem die Aufnahme entstand.
Dabei sucht Ruffilli nicht nach dem enthüllenden Schock-Effekt, um
den es Barthes geht (dem Moment, wo das studium durch das punctum
durchbrochen wird, wie es in 'Die helle Kammer' heißt). Der Dichter
stellt sich im Gegensatz zum Philosophen bevorzugt der Fremdheit
und Undurchdringlichkeit, die die meisten Fotografien besitzen:
'Doch ich erkenne sie nicht. / Ich schaue sie an / und sehe sie nicht:
diese Art / ist mir nicht vertraut', heißt es über eine Fotografie der 
Mutter - bei Barthes hingegen dient eine Fotografie der Mutter dazu,
sie über ihren Tod hinaus nah zu wissen.
Eine der Bildbeschreibungen lautet: 'Fast kahlköpfig / ein rundes
Gesicht, / gezeichnet von einem dichten, / mit einem Streifen /
schwarzen Samtes / auf dem Revers. / Der Vater meines Vaters.'
Die Beschreibungen sind schlicht, gerade ausreichend, um im Leser
ein Abbild zu evozieren. Aber was ist das für ein Abbild? Es hat
nichts Besonderes oder Unverwechselbares, ist aber auch nicht
beliebig. Die Figuren haben etwas ausgesprochen Gleichmütiges.
Sie füllen ihre Rolle aus, verschwinden dann wieder. Ruffilli benennt
sie mit einem gewissen Fatalismus: 'sie sagt, schon damals / habe
sie Angst gehabt / und sich nichts mehr erwartet / von dem, was
ihr bevorstand.'
Dies ist keine Abrechnung, und auch Verzweiflung ist etwas
anderes. Es geht hier nicht um Bekenntnisse, um ein Ja oder Nein
zum Leben, um Trauer oder Schuld. Es ist ein zähes Verharren bei
den Dingen, den Verwandten, ein 'Festgehaltensein / vor dem
Sterben.' Die Fotografien haben keine unbedingte Notwendigkeit,
sie könnten anders oder auch gar nicht sein, wie jede Fotografie
(das sagt Barthes). Ruffilli weiß um diese Kontingenz, das ist es,
was seine Gedichte so lesenswert macht: er drängt sie einem nicht
auf oder entschuldigt sich für sie, sondern läßt sie einfach geschehen:
'Auch er war jung / und lernte die Wechselfälle / und die Rolle der
Liebe kennen. / Und doch halten wir uns / an ein stummes Bündnis
/ und tun, als wüßten wir nicht, / daß der eine versucht, / was der
andere / längst schon gemacht hat.' Man lese auch das glänzende
Nachwort von Giovanni Raboni."
(Tobias Lehmkuhl, in: satt.org, Januar 2oo3)

 Paolo Ruffilli: Freude und Trauer

Leiden und Tod durch Aids
italienisch-deutsch
Übersetzung: Tobias Burghardt und Rüdiger Fischer
148 Seiten, 19 x 12 cm, 12 Euro

Das Leiden hat ihn
Stück für Stück aufgezehrt,
es hat ihn ausgehöhlt,
verkürzt, in den Zustand eines
vollkommen abhängigen Kindes
zurückversetzt.
Mit der schon damals
ihm eigenen Art
sieht er, wie der Vater,
vorher so distanziert,
von neuem allmächtig
geworden ist, zu ihm
zurückgekehrt,
der zu allem bereit ist,
um aufzuhalten,
was wütend
ihn angreift,
mit verstörtem,
durchsichtigem Blick
Trost sucht
und Linderung der Qual,
voller Schrecken
noch flehentlich
drum bittet,
gerettet zu werden.

Über den Verlag Im Wald zu beziehen:

 Jacques Fournier (Hg): Gedichte zum Lachen voll komischer Sachen
 französisch-deutsch
 Editions L'Epi de Seigle, Roggenhouse 1995
 Heft I: 1o deutschsprachige Dichter
      Elisabeth Alexander, Thomas C. Breuer, Ingo Cesaro,
      Manfred Chobot, Edeltraut Gallinge, Harald Grill,
      Manfred Hausin, Axel Kutsch, Wendel Schäfer,
      Ulrich Zimmermann
 Heft II: 19 französische Dichter
      Nadia Aubrier, Marc Bernelas, Jacques Canut,
      Odile Caradec, Guy Chaty, Clod'Aria,
      Jean Dauby, Jacqueline et Claude Held, Patrick Jocquel,
      Jean L'Anselme, Michel-François Lavaur, Liska,
      Marjan, Armand Monjo, Michel Monnereau,
      Joël Sadeler, Jean-Claude Tardif, Jean-Cluade Touzeil,
      Guy Valensol
 Übersetzung: Rüdiger Fischer
 pro Heft 3 Euro
 Michel-François Lavaur: Am anderen Ufer
 französisch-deutsch
 Übersetzung: Rüdiger Fischer
 Eds Traces, Le Pallet 1993
 3,5o Euro
 Robert Piccamiglio: Gedichte zwischen den Grenzen
 französisch-deutsch
 Übersetzung: Rüdiger Fischer
 Eds Jacques Brémond, Remoulins 1992
 1o Euro
 Dorothea Müller-Ott (Hg): Neue Erzählungen aus Polen
  9 Erzählungen
 153 Seiten
 Tulln 1981
 6 Euro