Georges Cathalo


				
ON AURA

                   Et nous sommes misérablement
                   heureux sur terre.
                   L'éternité n'a pas de relais.
                   Et nous n'avons de mémoire
                   Que pour craindre et pour espérer.
                                   Jean Malrieu, Le château cathare

on aura tout vu
on aura tout dit

on aura lu
des mots d'ordre
des slogans

on aura participé
aux désastres
sans bouger

on aura baissé la tête

*

on aura pris
des nouvelles
de la mort

on aura perdu
tout espoir
d'espérance

on aura cru
se sauver
se survivre

*

on aura cherché
sans trouver

on aura trouvé
sans chercher
complices
des raisons de croire

on aura minuté
ses propres silences

on aura vu
des miroirs se taire
s'effacer
à la première image

*

on aura divagué
à vue au pire
à fleur d'eau
vers le large

on aura reculé
on sera revenu

on aura souffert
de donner vie
de donner mort

*

on aura cherché
des lumières
qui ne s'éteindraient pas

on aura pris
des résolutions
face à la mer
le poing levé

on aura souffert
pour rien
dans une sourde fatigue

*

on aura bâti
des murs et des toits
de sable et de vent

on aura lancé
des couteaux
dans la vase

on aura pris goût
au dérisoire
aux signes qui traînent
sous les signes

*

on aura consigné
des cendres sur la terre

on aura cru
au terreau au terroir

on aura traqué
des odeurs des couleurs
à l'affût de la peau

on aura frôlé
des notes et des sons
qui caressent
et qui tuent

*

on aura détourné
des pluriels
de leur mission sournoise

on aura surpris
ses limites
son propre souffle

on aura grimacé
sous la poussée
des aiguilles

on aura repoussé
les échéances

on aura cru entendre
des pas
dans l'escalier

on aura eu peur
pour rien

on aura piégé
sa mémoire
sans tricher
*

on aura maquillé
ce qui gênait

on aura compris
trop tard
la couleur du sang
l'odeur des mots

on aura distillé
des silences
goutte à goutte

*

on aura pris
la peur de vitesse
un soir d'angoisse
où le coeur s'affolait

on aura caricaturé
l'apocalypse
l'apoplexie

on aura voulu
se défaire du joug
se livrer se confier

on aura posé sa main
sur des margelles floues

*

on aura rejeté
les mots faciles
la séduction

on aura joué
gagné perdu
tout se valait

on aura griffonné
des mots maladroits
sur des bouts de papier

*

on aura battu
ses propres cartes
en silence

on aura parlé
la bouche close
comme en dedans de soi
quand tout se tait

on aura bougé
légèrement
pour se dégager de l'étau

on aura donné
sans avoir reçu
reçu
sans avoir donné

*

on aura échangé
son sang et sa salive

on aura consumé
ses espoirs
une brûlure au visage

on aura réchauffé
ses doigts
à des flammes sans feu

*

on aura risqué
quelques rendez-vous

on aura fixé
la détresse
les yeux dans les yeux

on aura joui
longtemps longtemps

on aura connu ça
le plaisir là
ici partout

*

on aura plongé
dans ce ventre chaud

on aura voulu ça
longtemps encore

on aura blotti
sa tête
entre des cuisses
qui se serraient

*

on aura soufflé
sur des braises
doucement

on aura versé
des larmes invisibles

on aura fait semblant
de faire semblant

*



*

on aura baissé les yeux
devant l'horreur
comme si
l'on était aveugle

on aura fait
comme si
comme si tout allait bien

*



*

on aura parlé
quand il fallait se taire

on se sera tu
quand il fallait crier

on n'aura rien compris.

(La Bartavelle, Gap 1987)



MAN WIRD

                 Und wir sind elend
                 glücklich auf Erden.
                 Die Ewigkeit kennt keine Ablösung.
                 Und wir haben ein Gedächtnis
                 Nur zum Fürchten und Hoffen.
                             Jean Malrieu, Die Katharerburg

man wird alles gesehen haben
man wird alles gesagt haben

man wird
Parolen und Losungen
gelesen haben

man wird
an den Katastrophen
regungslos teilgenommen haben

man wird den Kopf gesenkt haben

*

man wird sich
nach dem Tod
erkundigt haben

man wird
jede Hoffnung
verloren haben

man wird vermeint haben
sich zu retten
sich zu überleben

*

man wird ohne zu finden
gesucht haben

man wird ohne zu suchen
gefunden haben
als Komplize der guten Gründe
noch zu gleuben

man wird das eigene Schweigen
genau bemessen haben

man wird gesehen haben
wie Spiegel schweigen
beim ersten Bild
verschwinden

*

man wird blind auf gut Glück
herumgeirrt sein
knapp über dem wasser
aufs offene meer hinaus

man wird zurückgewichen sein
man wird zurückgekehrt sein

man wird darunter gelitten haben
das Leben zu geben
den Tod zu geben

*

man wird
Lichter gesucht haben
die nicht verlöschen würden

man wird
Entschlüsse gefaßt haben
mit erhobener Faust
aufs Meer blickend

man wird vergebens
in dumpfer Erschöpfung
gelitten haben

*

man wird Mauern und Dächer
aus Sand und aus Wind
gebaut haben

man wird Messer
in den Schlamm
geworfen haben

man wird am Lächerlichen
Geschmack gefunden haben
an den Zeichen
die unter den Zeichen herumliegen

*

man wird Asche
auf der Erde hinterlegt haben

man wird
an Humus und Boden geglaubt haben

man wird Gerüche und Farben
die der Haut auflauern
gehetzt haben

man wird Noten und Töne
gestreift haben
die liebkosen
und töten

*

man wird Mehrzahlformen
von ihrem heimlichen Auftrag
abgebracht haben

man wird überrascht
seine Grenzen
den eigenen Atem entdeckt haben

man wird
beim Eindringen der Nadeln
das Gesicht verzogen haben

*

man wird die Fälligkeitstermine
vor sich hergeschoben haben

man wird geglaubt haben
Schritte
im Treppenhaus zu hören

man wird umsonst
Angst gehabt haben

man wird seine Erinnerung
ohne zu mogeln
mit einem Zeitzünder versehen haben

*

man wird was störend war
überschminkt haben

man wird zu spät
die Farbe des Blutes
den Geruch der Wörter
verstanden haben

man wird Schweigen
Tropfen für Tropfen destilliert haben

*

man wird
an einem bangen Abend
als das Herz verrückt spielte
schneller als die Angst gewesen sein

man wird die Apokalypse
die Apoplexie
lächerlich gemacht haben

man wird versucht haben
sich vom Joch zu befreien
sich mitzuteilen sich anzuvertrauen

man wird seine Hand
auf sanfte Brunnenränder gelegt haben

*

man wird
das leichthin Gesagte
das Verführerische verworfen haben

man wird gespielt
gewonnen verloren haben
es lief auf dasselbe hinaus

man wird
unbeholfene Worte
auf Papierfetzen gekritzelt haben

*

man wird still
die eigenen Karten
gemischt haben

man wird mit geschlossenem Mund
gesprochen haben
wie mit einer inneren Stimme
wenn alles schweigt

man wird sich kaum merklich
bewegt haben
um sich dem Schraubstock zu entwinden

man wird gegeben haben
ohne erhalten zu haben
erhalten
ohne gegeben zu haben

*

man wird Blut und Speichel
ausgetauscht haben

man wird seine Hoffnungen
aufgezehrt haben
mit einer Brandwunde im Gesicht

man wird seine Hände
an Flammen ohne Feuer
gewärmt haben

*

man wird ein paar Rendezvous
gewagt haben

man wird
der Herzensangst
starr in die Augen geblickt haben

man wird ineinander verströmt sein
lang lang

man wird das erfahren haben
die Lust dort
hier überall

*

man wird in diesen warmen Schoß
eingetaucht sein

man wird das immer und immer
gewollt haben

man wird den Kopf
zwischen Schenkel
geschmiegt haben
die sich zusammenpreßten

*

man wird die Glut
vorsichtig
angefacht haben

man wird unsichtbare Tränen
vergossen haben

man wird so getan haben
als tue man bloß so

*



*

man wird vor dem Entsetzlichen
den Blick gesenkt haben
als sei man
blind

man wird so getan haben
als ob
alles in Ordnung sei

*



*

man wird geredet haben
wo man hätte schweigen sollen

man wird geschwiegen haben
wo man hätte schreien sollen

man wird nichts verstanden haben.


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