In dieser Reihe erscheinen bisher unveröffentlichte Texte.
In alphabetischer Reihenfolge:
| Paul Badin : Bewegliche Bauseille |
Umschlag: Gérard Houver
französisch-deutsch
7o Seiten, 21 x 13 cm
8 €
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die bewegliche baustelle drei gelbe helme
sie sind nur vorbeigekommen wieder ein aderlaß
an den mit kabeln därmen tentakeln gesättigten
schwellen
für ein verborgenes netz aus schlaffer
bequemlichkeit aus konformen gesten und gedanken
langeweile zernagt die vorstädte des herzens
stumpft die achse der blitze ab
so oft nutzt die zwischen den schienen gut
verkeilte gewohnheit dieselben erinnerungen daß sie
ihre substanz gänzlich aushöhlt
selbst die erinnerung an die dinge löst sich auf
der abend senkt sich auf andere schatten herab da
werden unsre schritte aufgetragen
fahles verlangen sehnt sich nur noch nach dem
leichentuch ohne hast
ein paar stunden treten zutage aber die gipfel
entfernen sich unter dem füllstoff der nächte
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| Gérard Bayo : In der Bucht der Stille |
Umschlagillustration von Nicolas Damianakis
französisch-rumänisch-deutsch
Übersetzung ins Rumänische von Horia Badescu
217 Seiten, 21 x 13 cm
1o €
"Das Buch liegt da, und ich schlage es auf und lese: 'Das
Buch ist aufgeschlagen / auf allen Seiten, liegt reglos da.'
Und auf allen Seiten finden sich solche Zeilen, atemberaubend
einfach und präzise in ihrer Sprache, die einzukreisen suchen
das Schweigen zwischen den Zeilen. 'Stellt euch ein Schweigen
vor, das um zu sprechen auf unseres wartet.' "
(Volker Frick, In: Buchkritik.at, 1o.4.2oo1
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ANONYM
Stellt euch ein Gedicht ohne Verfasser vor. Stellt euch
eine Sprache vor
die von selber zu sprechen begänne.
Wo die Wörter, wie Galaxien, auseinanderstrebten
zu einem gemeinsamen Mittelpunkt hin. Wo der
vergessene Sinn und alle anderen
jedes Wortes veränderlich wären
wie Sterne - und frei - und gebunden und Träger
eines einzigartigen Lichts
durch das Lärmen der Nacht. Stellt euch ein
Wörterbuch
ohne Verfasser vor, ein Gedicht ohne Verfasser. Stellt
euch eine Sprache vor
die von selber zu sprechen begänne.
Stellt euch ein Schweigen vor, das um zu sprechen
auf unseres wartet.
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| Gérard Bayo : Geschenkter Augenblick |
französisch-deutsch 144 Seiten, 21 x 13 cm 12 € _______________ NICHT NUR die Worte sondern die Stimme imd in deiner Stimme dein Gesicht: vor uns war die Erde nicht. In deinem Gesicht das Licht, unseres, dasjenige, das ganz dem Sterblichen gehört. Dahinter ziseliert: die schwarzen Pappeln, die Glockentürme. |
| Gérard Bayo : Lichtbrandung |
französisch-deutsch 156 Seiten, 21 x 13 cm 12 € _______________ DER LIEFERWAGEN hat lange gehupt unten auf dem Dorfplatz. Du bist die Straße hinuntergerannt nach ein paar mir unbekannten höflichen Wendungen. Im grünen Getreide und auf den kreidigen Wegen beginnt von neuem das Stöhnen des Windes von deinem Leben und deiner Erde her, die niemand kennt. Da oben schnüren die Riemen des Windes meine Fesseln ein, ein stählernes Netz meine Schultern. Hier nahm wieder Platz der Wind von deiner Erde, von deinem Leben her, die niemand kennt. Und ein für allemal ist auch das Wort gesagt. Meine Fesseln schnüren die Riemen des Windes ein. |
| Gérard Bayo : Noch nicht |
französisch-deutsch
14o Seiten, 21 x 13 cm
12 €
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NOCH NICHT, ABER FAST
Im Kreisbogen
über unsern Köpfen, der Kuckuck
am blauen Himmel.
Hinter dem Kamm
das verlassene,
bis zum Himmel verstreute Dorf. Das von allen
Gesichtern die Tränen wischt.
(Marisel, Rumänien)
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| Serge Bec: Suite für eine Ewigkeit |
Illustrationen: René Métayer provenzalisch-französisch-deutsch französische Fassung des Autors 16o Seiten, 21 x 13 cm 12 € Zwei Monate lang liegt Serge Becs Frau Annette im Koma. Zwei Stunden lang darf er sie täglich besuchen; die Ärzte sagen ihm, er solle viel zu ihr sprechen. Aus diesen Worten sind ein Theaterstück und dieses Buch mit Gedichten entstanden. |
| Jean-Louis Bernard: An den Grenzen der Zeit |
Umschlag: Photo von Michèle Dollmann Vorwort: Jean-Paul Mestas französisch-deutsch 74 Seiten, 21 x 13 cm 8 € Ein paar Menschen mit goldenen Schwingen beharrliche Jäger lauschen dem armseligen Wind befragen die Erde im Herzen der Hinterhalte sie haben nur ihren Atem um im Stein oder im dichten Gras Schichten zu zeichnen sie rufen den Fluß an beschwören die Ufer im Lehm der Mündung inbrünstig ihr Fieber im Gebüsch der Dauer |
| Jacques Canut: Die blaue Grille |
mit vier Holzschnitten von Heinz Stein französisch - deutsch Dieser Band erscheint in einer numerierten Auflage von 6oo Stück. Den Exemplaren 1 bis 5o sind vier von Heinz Stein signierte Original-Holzschnitte zusätzlich lose beigelegt, den übrigen einer. 72 Seiten, 22 x 14 cm, 1-5o: 24 €, 51-6oo: 1o € "Versehen mit stillen, stimmungsvollen Grafiken von Heinz Stein, stellt Jacques Canut seine pastoralen Gedichte vor, die den präzisen, zarten und traumtänzerisch sicheren Ton sogar in der Übersetzung treffen, der französischer Lyrik oft zu eigen ist und der von deutschen Federn so oft versucht, wie selten getroffen wird. Hier liegen lyrische Kurzerlebnisse vor, die man sich auf der Zunge zergehen lassen sollte." (Thorsten Casmir, in: Zeichen und Wunder, Nr. 18, Juni 1994) |
| Odile Caradec: Kühe Autos Celli |
mit 32 Illustrationen von Claudine Goux französisch-deutsch 64 Seiten, 15 x 19 cm, VERGRIFFEN "(...) Kühe, ein Wort, das so lind und mild sich spricht. Vaches. "Vive la vache", schreibt die normannische Bibliothekarin, Cellistin und Lyrikerin Odile Caradec, Jahrgang 1925. "Es lebe die Kuh / was sie frißt, verwandelt sie / in Milch und Blut / sie macht mit dem, was übrigbleibt / schöne Fresken auf der Erde // Ah! dieser Pinsel! / Ah! dieser muntere Schwanz / Blaue Fliegen in die Lüfte schicken". Ein ganz blaues Büchlein (...), wiesenbunt und euterprall illustriert von Claudine Goux. "Vaches, Automobiles, Violoncelles - Kühe, Autos, Celli" heißt es, und von den stets überlasteten Jurysten der Bestenliste wurde es glatt übersehen. Rüdiger Fischer hat Odile Caradecs fröhlich flatternde Verse übersetzt, und in seinem Verlag Im Wald (...) sind sie auch erschienen. Verlag Im Wald, das stimmt. Als das Buchpaket in Hamburg ankam, taumelte ein buntes Käferchen heraus." Benedikt Erenz, in: DIE ZEIT, 3o. Juli 1998 (Die Lieferung des Käferchens kann leider nicht garantiert werden.) |
| Odile Caradec: Katzen, Damen, Funken |
mit Illustrationen von Claudine Goux französisch-deutsch 128 Seiten, 21 x 13 cm, 15 € ______________________________ GEDICHT, DAS NACH ERDE SCHMECKT Beim Schälen der Kartoffeln entwerfe ich meine Gedichte Ich bin bemüht, sie nahrhaft zu machen gute Nahrung einer guten Frau Von möglichst krausem Salat begleitet sind sie eine Köstlichkeit man braucht sie nur in den Mund zu stecken und nebenbei die schönen Locken der sprachlichen Schalen in die Mülltonne werfen und mit dem Speichel die leckersten Wörter durchtränken die feuerhaltigsten die würzigsten ______________________________ "ESELIG UND ESELSELIG Die wunderlichen Gedichte der Odile Caradec Einmal kam so ein Buch, wie manchmal so ein Buch kommt, nicht aus dem Silo der Konzerne, sondern von einer fernen Insel zum Beispiel oder aus dem Gebirge oder aus der Tiefe des Waldes. Verlag Im Wald, das stand da tatsächlich drauf, Odile Caradec hieß die Autorin, und es trug den Titel Vaches automobiles violoncelles - Kühe, Autos, Celli, nur ohne Kommas. Es hatte ein sonderbares Querformat und war voller sehr bunter, fröhlich vertaumelter Bilder, Claudine Goux hieß die Illustratorin, und man las die wunderlichsten Verse, über Kühe eben, über Celli und Autos. Schon diese Kombination verwirrte, und überhaupt war alles ganz einfach und ganz verwirrend zugleich in Odile Caradecs Gedichten. Naiv und surrealistisch ging es hier zu, morgenhell und dämmrig, alles wie mit klarem Tau betaut. Unvergesslich. Wer war, wer ist das? Jahrgang 1925, in Brest, in der Bretagne geboren, viele Jahre Bibliothekarin am Lycée Camille Guérin in Poitiers, außerdem Kammermusikerin. Das konnte man einer Notiz des Verlages entnehmen, und das steht jetzt wieder hinten drin in diesem zweiten Band mit Gedichten von Odile Caradec, der im Verlag im Wald erschienen ist; Verleger Rüdiger Fischer hat alles selbst übersetzt. Das französische Original steht aber gleich daneben, und man kann hier und da nachprüfen, so weit des Lesers eigenes schwächelndes Französisch trägt, dass Fischer recht wörtlich übersetzt hat, vielleicht manchmal etwas zu wörtlich. Aber der Zauber! Den hat er doch bewahrt. Denn eigentlich sind das ganz rohe, unbeholfene Gedichte, sind das ganz schlechte Gedichte. Ja, ganz schlechte Gedichte. Aber wie raffiniert, wie verblüffend sie sind, man kommt nicht davon los. So ging es einem mit den Kühen, den Autos und Celli, und so geht es einem jetzt wieder mit Chats, dames, étincelles - Katzen, Damen, Funken. Wieder scheint alles durcheinander zu tanzen und zu stolpern, randlos, punktfrei, und wieder glänzt alles zart und ein bisschen somnambul wie mit Traum überzogen. Bei dieser Zeile kommt einem Else Lasker-Schüler in den Sinn, bei jener Jesse Thoor, Robert Walser vielleicht. Aber Odile Caradec gebraucht natürlich ihre eigenen Künste, den Kreis um den Leser zu schlagen.Grob skizziert sie ein Bild, läßt Assoziationsranken daraus wuchern, die sie suggestiv rhythmisiert und wieder abbricht, ins Ungefähre verstreut: "Die Stadt durch die blühenden Mandelbäume sehen / zuerst den Nebel sehen / dann die gedämpften Häuser, dann den Atem der Bäume / dann meinen eigenen Atem, dünstig, körperlich / Hauch vom Grund der Zeiten her / Hauch, den ich mit Bienen und Ameisen teile / mit Maulwürfen, Schnecken, mit leichten Tieren..." In ihrer Küche steht der "Wandschrank voll toter Seelen und Bangigkeit"; da bringt "der Heilige Geist das Kupfergeschirr zum Glänzen"; da singen die Linsen, Thymian, Lorbeer, auch die Äpfel im Regal, "und in den Ritzen der so langen Nacht / sieht man ein starkes Leuchten / die Zweige werden sanft / schwarz und sanft / wie die Finger der Toten" (Die Hündin Vanille riecht den Herbst). Die großen Ohren des Esels "als Schatten spiel vor dem Mond" preist sie, und "das Grau des Himnmels berauscht" sie, wie alle Melancholie Rauschzustand ist. Dann aber wechselt sie in die Groteske: "Vergiß nicht o Frau / deinen melancholischen Hintern / gründlich mit Pulver zu scheuern // Er glänze kunstvoll / im aufsteigenden Nebel!" Es wuchert im poetischen Unkräutergarten der Odile Caradec aus allen Winkeln. Zart schlingen sich die Winden, bis sie plötzlich ihre großen weißen Blütentrompeten blasen. Ein manieristisches Spiel mit dem Grotesken und Magischen, konkav, konvex. Faunisch und eselig. Eselselig, das auch, und vor allem: unvergeßlich. (Benedikt Erenz, in: DIE ZEIT, 4. Mai 2oo5) |
| Odile Caradec: In schöner schwarzer Erde |
Umschlag und Illustrationen: Claudine Goux
französisch-deutsch
172 Seiten, 21 x 13 cm, 15 €
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DIE TOTEN SIND VOLLER STERNE
Schön ist die schwarze Erde des Grabes: In ihren neuen Gedichten wagt sich
die französische Dichterin Odile Caradec furchtlos an die letzten Dinge
Wahrscheinlich gibt es, so heißt es in einer alten indischen Schrift, nur zwei
Arten von Büchern: Bücher über den Tod und Bücher über die Liebe. Manchmal
auch Bücher die Liebe, die Bücher über den Tod sind, und Bücher über den Tod,
die Bücher über die Liebe sind. Wahrscheinlich lohnt es gar nicht, über andere
Dinge ernsthaft nachzudenken oder zu schreiben. Das heißt, natürlich lässt sich
auch über tausend andere Dinge tausenderlei schreiben, über das Leben, Gott,
das Meer und die Sterne, aber am Ende läuft es eben immer nur auf diese zwei,
auf dieses Eine hinaus: den Tod und die Liebe. Und da kann man dann eigentlich
auch gleich zur Sache kommen.
Die französische Dichterin Odile Caradec, geboren 1925 in der bretonischen
Hafenstadt Brest und heute im altertümlichen Poitiers zu Hause, ist so eine
Dichterin zur Sache, halb genialische Sängerin, entfesselte Bardin, halb heitere
Töpferin und Gärtnerin des Glücks. Sehr konkrt sind schon die Titel ihrer Lyrikbände.
Mitte der neunziger Jahre erschien hierzulande Kühe, Autos, Celli. 2oo5 endlich
ein zweites Album: Katzen, Damen, Funken. Zu unserer Freude hat uns Rüdiger
Fischers kleiner Verlag Im Wald auf den dritten Band, den neuen, diesmal nicht
so lange warten lassen. En belle terre noire heißt er, In schöner schwarzer
Erde.
Über den Tod also, über die schöne schwarze Erde des Grabes. Erdig, irdisch,
konkret und einfach. Nein: einfach nicht. Da wollen wir gleich warnen, denn Tod
wie Liebe, das klingt so schlagerplatt - ist aber, versteht sich, die komplizierteste
Sache der Welt. Die allervertrackteste, verschlungenste, widersprüchlichste,
ausuferndste Sache der Welt, was immer diese alte indische Schrift dazu
auch sagen mag.
Siebzig Gedichte über den Tod. Wie schnell wird so etwas kitschig und ranzig.
Nicht hier. Caradec spürt den Tod im Leben auf, als lästigen Begleiter, beschreibt
das Altern, wie es uns verändert. Die Füße, die nicht mehr warm werden unter
dem dicken roten Federbett, das "Knistern der Haut", die Osteoporose, und:
"Wie klein der Kopf wird... / Man sieht an den Schläfen das Blau der Adern /
der Hals neigt sich tiefer und tiefer / er trägt einen schwächlichen Kopf / ... /
die Hände sind aneinandergereihte Knochen,... von schwarzen Margeriten / übersät /
... / Wir haben Angst, und unsre Ohren trügen uns / ... / und doch ist tief in uns
drin / mehr Engel als Tier."
Lasst mich, ich zerfalle zu Staub,
geht zur Seite, ich stehe in Flammen
Caradecs wundervoll wuchernde, unförmige, ungeschlachte, sprunghafte und
lodernde und leise singenden Gedichte feiern den Tod, fluchen ihn und schmeicheln ihm.
Sie verhöhnen ihn und verstecken sich in flimmernden Bildern vor ihm, locken ihn,
den schönen Tod, der im Französischen immer eine Frau ist: La mort.
Aber was heißt das schon? Er wechselt das Geschlecht von Sprache zu Sprache,
das Alter, die Gestalt, ist mal ein Kind und mal ein Greis. Ist mal ein Blitz
("Schau den vom Blitz getroffenen Baum / die schönste Skulptur der Welt")
und mal ein Tier, wie im Grabspruch für eine pikardische Schäferhündin, wie
im Grabspruch für eine Nachtigall im Großraum Paris: "Hier ruht meine kleine
Schwester, die Nachtigall / sie weckte mich um Mitternacht / das Mondlicht
rundete die Erde..."
Animistische Ahnung durchzieht diese Verse, ohne dass sie sich in naturmystischer
Schwärmerei verlieren; Odile Caradec ist keine romantische Frau. Stattdessen
leuchtet franziskanische Demut auf, wenn es in ihrem Fall auch Demut vor dem
Sterben heißt, und wo dem frommen Franz der Abglanz Gottes erscheint in allen
Formen der Natur, erscheint ihr hier nur die unerbittliche Herrschaft der Zeit.
So fröhlich wie ihre beiden anderen Bände geriet Caradec In schöner schwarzer
Erde nicht, keine kleinen und großen seligen Feiern des Lebens, und doch noch
viel fröhlicher, noch viel ausgelassener. Der Trauermarsch geht über in einen
flotten Totentanz, der feierliche Abgesang fordert verstohlen zum Mitschunkeln
auf, das weihrauchschwimmende Requiem wird zur Operette. "Das Haus
umschließt die Toten, die Lebenden / Es ist ein Prachtsarg voller Wonne".
Nein, einfach nicht, ganz gewiss nicht. Vielfach, vieldeutig ist alles in diesem
Buch, verrückt und alles verrückend, alle Gewissheit und alle Konventionen
des Sprechens über den Tod. Man möge sie in ihrem Cello begraben, bittet
die Dichterin, eine leidenschaftliche Musikantin. Auch will sie lesen im Grab -
man soll "mir eine Ecke einrichten / zum Lesen, winen Winkel mit einem
Lämpchen". Und wie schön wäre es, wenn die Toten fernsehen könnten. Denn
"wenn die Toten Fernsehen haben / gehn die Lebenden sie viel lieber besuchen //
Mit dem Handtuch um den Hals / setzen sie sich auf die besten Gräber //
Phosphoreszierende Lichter fangen zu tanzen an / die leichtfüßigen Kinder
holen die Gießkannen // Die Toten, die Toten werden viel geistreicher sein".
Spöttisch ist sie, und man weiß in solchen Momenten nie, ob ihr Spott den
Toten oder den Lebenden gilt. Sie feuert die Toten an: "Auf, ihr Toten!" und
singt den Himmel in den ewigen Schlaf, in Worten, die von fern an die
traumbrüchige Sprache Edith Södergrans erinnern: "Der Mond ist wieder da /
Die Sanftmut der Tiere, der Sterne // Das Glück ist voll / nichts ist endgültig //
Man lässt den Frühling zu, man mag die Wolken / alle komplizierten Himmel".
Heiter leuchtet ihre Bitterkeit, irreal farbenfroh der Schmerz.
Sie kennt, benennt das Elend des Sterbens - aber: "Ich glaube, selbst
Sterben kann anmutig sein / Die Toten sind voller Sterne". Eindringlich, ohne
jedes Zeichen kalmierenden Hoffnungsglaubens umkreist sie den Tod als
Anfang, als Befreiungsfest in der Vernichtung: "Lasst mich, ich zerfalle zu
Staub / geht zur Seite, ich stehe in Flammen / mein Bett ist eine
Funkengarbe / von allen Banden werd ich frei sein/ ... / in alle Richtungen
streck ich die Zunge raus // Lebt wohl, ihr kennt mich ja gar nicht / keinen
Grabstein, keine Spur / weder Träne noch Hut".
Hut? Was für ein Hut?
Odile Caradec ist ein herrlich irrlichterndes, ein radikal furchtloses Buch
gelungen. Ein ungefüges monströses Buch der vollkommenen poetischen
Freiheit und Reinheit. Allein - sie weiß, an wem sie sich zu messen hat.
Denn am Ende gibt es nur einen Dichter, den "einzigen wahren Dichter":
den Tod.
(Benedikt Erenz, in: DIE ZEIT, 19. Februar 2oo9)
DAS FEUER VERLANGT NACH UNS
Können Gedichte duften? - Ja, sie können, nach "königlichem" Knoblauch
zum Beispiel, nach Hühnerbouillon, nach allen "Üppigkeiten der Kochkunst",
oder nach gebackenen Renetten mit Zimt, wodurch die "streunenden
Sellen", die "früheren Bewohner des Planeten Erde" in Trance geraten. "Beim
Schälen der Kartoffeln entwerfe ich meine Gedichte", schreibt Odile Caradec,
"ich bin bemüht, sie nahrhaft zu machen". Das sind sie, diese Gedichte,
äußerst bekömmlich, man verzehrt sie vergnügt, "von möglichst krausem
Salat begleitet". Auch fehlt der Wein nicht, sehr französisch, aus der
"von den Jahren gehätschelten Flasche".
Darf man das, darf man den Herd besingen? Sind Kühlschränke,
Staubsauger, Mülleimer (der den schönen Namen Rossignol, Nachtigall,
trägt), Hühnerfrikassees literaturfähig? - Sie sind es, man darf das, wenn man
es wie Odile Caradec tut. Hier schreibt jemand "mit seinem Leben und um
sein Leben" (Christa Wolf). Odile Caradec besitzt "einen Geist, der imstande
ist, die feinsten Gerichte zu würzen".
Und darf man über Leichen schreiben? Ein ganzes Buch lang über Tod, Alter,
Särge, das Sterben? - Darf man die Paradigmen der Zeitgenossenschaft über
den Haufen werfen? - Als da sind: die Todesfaszination einerseits (die
obligatorischen täglichen Fernsehtoten, auch Herrn von Hagens makabre
Arrangements), die Todesphobie andererseits (der kollektive Fitness-, Jugend-
und Schlankheitswahn) und in ihrem Gefolge das Brüchigwerden, ja das
Abtrünnigwerden der Wirklichkeit. Caradec ist weder fasziniert noch
geschreckt vom Tod, sie lebt mit ihm, und sie lebt mit Bäumen, Tieren, mit
Musik, ihrem Cello, das sie spielt, mit den Dingen ihrer Wohnung,
wahrscheinlich lebt sie ziemlich einsam, Menschen kommen in ihren
Gedichten wenig vor. Ihrem Zahnarzt setzt sie ein Epitaph, einem jungen
Totengräber, ihrer Hündin, einer "Nachtigall im Großraum Paris", und es gibt
ein - in Worten ein - "politisches" Gedicht, zumindest kann man es als
Umweltklage lesen, einen Nachruf auf den Schnee, der beginnt: Was soll
ohne Schnee aus uns werden / ohne dies stille Pulver / ... / ohne diesen Mantel
unserer Kindheit... //. Ein kindlich offenes Ohr hat sie, mit über achtzig Jahren ist
sie nicht schwerhörig, sondern offenbar "leichthörig" geworden. Ich glaube,
selbst Sterben kann anmutig sein / die Toren sind voller Sterne / ... (neben
jedem Sterbenden tänzelt ein strahlend weißes Pferd). Darf man denn im
Angesicht des nahenden Todes heiter sein? Gelassen? Sogar frech? Laßt
mich, ich zerfalle zu Staub / geht zur Seite, ich stehe in Flammen / mein Bett ist
eine Funkengarbe / von allen Banden werd ich frei sein / das Alter macht sich
auf Zehenspitzen davon /in alle Richtungen streck ich die Zunge raus // Lebt
wohl, ihr kennt mich ja gar nicht / keinen Grabstein, keine Spur / weder Träne
noch Hut. Die Zunge, die feurige, in alle Richtungen herausgestreckt - das ist
doch die Höhe, denkt man, wo bleibt denn hier die Pietät? - Benedikt Erenz in
"Die Zeit" wundert sich etwas über den Hut in dem Flammen- und
Todesgedicht. Welcher Hut, fragt er. Ich weiß es: sein schwarzer aus dem
Schrank, für die Bestattung von Frau Caradec, den er ja vielleicht nicht besitzt
und auch nicht anschaffen muss, denn sie will ihn nicht. Musikanten will
ich / Dichter will ich / ... Des weiteren will ich / im Violoncello ruhn / meinem
Sarg mit den schlanken Hüften / der so oft sang, an meinen Schoß
gepresst / ... - Unangestrengt sind diese Texte, durchsichtig, klar: Die Welt
hören / Gesichter und Hände hinter den Augen haben // Die regenschweren
Rasenflächen / die Sterne, die Erde / man drückt sie an sein Herz / sie sind der
sanfteste Mantel der Welt / ein triefender funkelnder elfenzarter Mantel / Ein
durchsichtiges, zerbrechliches Weltall / es kann in die dumpfe Finsternis
stürzen / jeden Augenblick. Unnachahmlich ist das, der Ton eines souveränen
Ich inmitten eines durchsichtigen, zerbrechlichen Weltalls. Altersweisheit, keine
zeigefingerreckende, augenrollende Früher-war-alles-besser-Philosophie,
sondern echte, goldene, märchenbunte Weisheit, die sehr leichtfüßig
daherkommt, in freier Rhythmik, reimlos, punktlos, in flüssigen langen
gesprächigen Zeilen, von Rüdiger Fischer sehr treu und schön ins Deutsche
übertragen. Sie treibt keinen Aufwand von Wortkonklusionen oder
Enjambements, es ist eine Sprache ohne Verrenkungen, aber mit einem
sechsten spielerischen Wortsinn, die Worte sind mit ungeheurer Sorgfalt
gewählt, wirken aber mühelos wie Mozart... Das Gedicht ist ein irrer Baum,
es riecht nach Meer, / nach Mimosen, nach Sauberkeit / Man nimmt es in die
Arme / man probiert es wie eine Geige aus /und tief im Bett / formt man es
nahe am Herzen / um es auf die kahlen Äste abzustimmen / den Nebel und
alles, was in dieser Welt gegeben wird / ... - Gestimmt, abgestimmt, gefärbt,
gewürzt sind diese Gedichte, durch die Nächte getragen, sie klingen schön,
sie verwundern durch ihre Einfachheit und ihre Schwerelosigkeit. Sie sind
Preisung, Hymnus auf das Leben und den Tod, aber ein ganz
unpathetisch vorgetragener. Ist Caradec eigentlich ein religiöser Mensch? -
Ja, durchaus. Der Heilige Geist wacht über die Küche / er bringt das
Kupfergeschirr zum Glänzen... - das ist scherzhaft vorgetragen, aber ganz
ernst gemeint. Und vom Dichten hat sie eine hohe Meinung: Ein weißer Körper
denkt in der Nacht / das erfrischt die ganze Erde / vermehrt die Substanz der
Welt... Gedanken also, Worte, als schaffende Wirklichkeiten, das ist nicht nur
so hingesagt. Odile Caradec ist eine Essentialistin, die Worte sind eine Essenz
der Welt, Welt ist enthalten in ihnen. Hilde Domin kommt einem in den Sinn:
"Meine einfachen Worte riechen nach Mensch...". Die große
unvergessene Dichterin war es, die forderte, man müsse Mut haben, gegen
den Trend zu gehen (in "Wozu Lyrik heute"), der Lyriker, die Lyrikerin solle
"Stimme, die die anderen aufruft, am Leben zu bleiben" sein. "Jeder Lebende
erfährt es, zumindest in den hochindustriellen Ländern, dass heute schon die
Halb- und Dreiviertelstoten die Mehrheit sind". Gegen den Trend ist Lyrik heute
überhaupt; was einmal das Herz der Literatur war, ist nur noch eine
Randerscheinung. Der heiße Brei von Romanen aller Couleur, von Sach- und
Ratgeberbüchern quillt aus den Buchhandlungen, die ja auch immer mehr
Warenhäusern ähneln, sie werden immer riesiger, die Lyrikregale hingegen
immer schmaler, wenn sie nicht schon an Magersucht gestorben sind. Die
Medienleitkuh Fernsehen hat für Gedichte nichts übrig, und die weitgehend
gleichgeschaltete, "verdinglichte" (Domin) Menschheit kauft also die für sie
vorgesehenen Romane. Dennoch, irgendwo schlägt das Herz, zum Beispiel in
Poitiers, dem Wohnort von Odile Caradec. Selten gibt es bei ihr einen dunklen
Ton wie diesen: ...Und wir, die Gott in den Sternen suchten / werden in
Dunkelheit und Schweigen getrieben // Die Stadt ist kein Ort mehr, wohin man
gehen kann / Stadt, o schwarze Amphore! - Es bleibt offen, ob sie hier nur den
Herbst meint oder noch etwas anderes.
Odile Caradec besitzt zweifellos "die vollkommene Freiheit des Bildes"
(Södergran). Das wahrhaft virtuose Spiel mit Worten und Bildern lässt einen
vollkommen vergessen, dass hier etwas "gemacht" wurde, nicht einen
Augenblick spürt man etwas von Künstlichkeit oder Pose. Es wirkt einfach
echt, gewachsen, manchmal ein wenig kühn gewachsen, ein bisschen
grotesk. Aber diese Dichtung ist weder konstruiert, verschraubt noch
hermetisch. Manches wirkt einfach, aber nichts naiv, manchmal geradezu
trocken, wie ein plötzliches: der Sauerstoff wird siegen. Man stellt sie gern an
die Seite anderer noch lebender Dichterinnen wie Sarah Kirsch, Eva
Strittmatter, Erika Burkart. Und ihre reiche Altersproduktivität erinnert an Rose
Ausländer. Für die Lektüre braucht man keine Voraussetzungen außer dem
Lesenkönnen, das Ich der Gedichte ist nicht maskiert oder gar eliminiert, man
kann mit ihm in ein Gespräch eintreten, unmittelbar. Beim Schälen der
Kartoffeln.
Dem Verlag Im Wald / Éditions En Forêt, einem mutigen tapferen Schneiderlein
der Verlagslandschaft, fast ausschließlich mit Lyrik in bi- und trilingualen
Ausgaben befasst, ist es zu denken, dass wir Odile Caradec auf Deutsch und
Französisch lesen können. Mit dieser Dichterin hat er seine Prinzessin
bekommen, wir müssen es nur noch bemerken. Er hat den beiden Büchern
zauberhafte Bilder von Claudine Goux beigegeben, ein Glücksfall, sie
unterstreichen den surrealistisch-schwerelosen Charakter der Texte. Über die
Dichterin ist nicht mehr und nicht weniger zu erfahren (außer, man liest sie), als
dass sie 1925 geboren ist, Jahrzehnte als Bibliothekarin gearbeitet hat,
Kammermusik spielt und in Poitiers lebt. -Lesen wir sie, bevor sie diese Erde
verlässt! Damit es uns nicht geht wie jenen, die angestrengt in die andere
Richtung starren, während hinter ihnen die Sonne aufgeht (ein Bild von Erhart
Kästner).
Hierruht meine kleine Schwester, die Nachtigall / sie weckte mich um
Mittern acht / das Mondlicht rundete die Erde
Beim Gesang der Sternschnuppen / beim Atem des Meeres in den
Tritonshörnern / hüpfe ich vor Freude
Doch nichts kommt deinem Singen gleich / es weckt alle Abtrünnigen der
Erde / mit leisen Schritten / mit SChritten weißen Mondscheins
(Christiane Freund, über beide Bücher Odile Caradecs; eine verkürzte Fassung erschien in: Die Drei, Dezember 2oo9) |
| Clod'Aria: Solo für einen kleinen Prinzen |
Mit Illustrationen von Federica Nadalutti und einer Karte von Roseline Humbert-Droz französisch-italienisch-deutsch Übersetzung ins Italienische von Susanna Spero 62 Seiten, 22 x 12,5 cm, 3 € __________________________ Mit durchscheinenden Worten um dich herum eine Lichthülle weben |
| Cid Corman: Wasserkraft |
englisch-französisch-deutsch Bei der Übersetzung ins Französische hat Laurent Grisel mitgewirkt, der auch das Nachwort verfaßt hat. 113 Seiten, 21 x 13 cm, 8 € ________________ EIN WAHRER ISSA Soviel vom Geruch der Pisse verflog, zog in die Chrysanthemen. ________________ "(...) Cid Corman ist Amerikaner, lebt in Kyoto, da in Japan das Gedicht ein natürlicher Bestandteil des Lebens ist. 'Let the work speak for itself.' In Boston begann er mit einem Radioprogramm. Lyriker wie Archibald MacLeish, Stephen Spender, Pierre Emmanuel und Robert Creeley werden vorgestellt. Dann 'Origin', deren beide ersten Ausgaben Charles Olson und Robert Creeley gewidmet sind, Nummer 3 stellte Wallace Stevens vor. Die Zeitschrift schenkt seit über 3o Jahren Autoren wie Denise Levertov, Robert Duncan, Louis Zukovsky, Larry Eigner, George Oppen, Paul Blackburn oder Gary Snyder, um nur einige zu nennen, ihre Aufmerksamkeit. In Heft 11 wird Artauds 'Le théâtre et son double' zum ersten Mal in umfassenden Auszügen vorgestellt. In den Fünfzigern Frankreich, wo er sieben Jahre lebt und Char, Jaccottet und Ponge übersetzt. (Als erster übersetzt er Celan - ohne dessen Einwilligung - ins Englische. 'Let the work speak for itself.') Dann Italien. 1963 kommt er in Japan an. In den 35 Jahren seither hat er Gedichte geschrieben, als Herausgeber, Übersetzer und Kritiker gearbeitet und über einhundert Bücher veröffentlicht. Seine Übersetzungen japanischer Lyrik zeigen sein Erste-Hand-Wissen der japanischen Kultur und Sprache. Das 'bestgehütete Geheimnis der amerikanischen Dichtung' spricht: 'Most of my books have never had any notice. Fact. - Simply: the work is my life - my life the poetry. -Writing and being heard go together. - To share is what life is all about.' Wir brauchen einander. Präzise und klar. Mysteriös lebendig. Wundervoller Poet, weder überschwenglich noch aggressiv, eher zentriert. Gewinn ist Illusion, Verlust ist Erleuchtung. 'There are things to be said. No doubt. / And in one way or another / they will be said. But to whom tell / the silences?' Akzeptiert. Kein Geld für Brille, dritte Zähne oder Flug zum sterbenden Bruder. Akzentuiert: 'It must be lived.' (...) Ohne Worte - ohne Schweigen. Was braucht der Mensch? Den langen Atem einer Stimme. 'Why should I // envy you? / We share this // breath. You die // and I am / dead. A sun // and a moon.' Stimme Atem." (Volker Frick, in: homepages.at) |
| Rome Deguergue: Unterwegs |
Umschlag und Photos: Patrice Yan Le Flohic französisch-deutsch 69 Seiten, 21 x 13 cm, 7 € __________________________ 1. Teil: Von Regenschauern und Jahreszeiten "Diese Texte wurden durch die Erfahrung mit der Geopoesie eingegeben, durch das Erkunden der Linien der Erde und das Üben des Blicks, des einzigartigen Blicks des Kameraauges, das wählend über die Objekte streift, durch die Spuren des Lesens orientalischer Texte und die wirklichen Ortsveränderungen, von denen etwas wie Salzgeschmack auf den Lippen bleibt." 2. Teil: Exoden aus dem Garten "Diese Gedichte versuchen, verschiedene Lesarten eines sowohl wirklichen als auch erdachten Gartens wiederzugeben, wo die kosmischen Energien dem Alltag des bruchstückhaften Gedächtnisses durch Entsprechungen ein wenig Leben einhauchen." |
| Anne-Marie Derèse: Nebelfetzen |
Umschlag: Viko Bauer französisch-englisch-deutsch Übersetzung ins Englische von Judy Pfau Cochran 61 Seiten, 21 x 13 cm, 7€ |
| Hélène Dorion: Die Höhle der Geschichte |
Umschlagillustration von Helga Rackl französisch-englisch-deutsch Übersetzung ins Englische von Andrea Moorhead 5o Seiten, 23 x 12 cm, 5 € "ARCHAISCHE BESCHWÖRUNGEN. (...) "Was wissen wir vom ersten Anbeginn / von Ordnung und Unordnung?" Gleichnishaft werden wir in andere Zeitdimensionen zurückversetzt: an den Urbeginn, in den Kosmos, in die Höhlenexistenz, in unsere Kindheit. Und dabei schwingt die philosophische Frage des Beheimatetseins mit: "Keiner ist zuhause. Keiner besitzt etwas / keiner dringt weiter vor / als in sich selbst." Und schließlich wird auch das Ende vorhergesehen. Damit schreitet die Autorin das gesamte Menschheitsleben aus und landet beim persönlichen Tod. (...)" Karl-Heinz Schreiber, in: Kult, 7/98 |
| Hélène Dorion: Staubkörner Stege |
Umschlagillustration von Helga Rackl französisch-englisch-italienisch-deutsch Übersetzung ins Englische von Andrea Moorhead Übersetzung ins Italienische von Fabio Scotto 51 Seiten, 21 x 13 cm, 5 € Zuerst war Dunkelheit. Schneidend, endgültig. Eine durch nichts zu verhindernde Kluft. Ein Versprechen, das erste, das mir gegeben wurde. Als Kind konnte ich Stunden damit zubringen zu sehen, wie die Dunkelheit in mir wuchs. Das Versprechen würde gehalten werden, daran habe ich nicht gezweifelt. Warten und Schmerz, Rührung und Qual; Wörter für die Undurchsichtigkeit, die Drohung, die am Saum unsres Lebens lauert, es ins Wankn zu bringen. Denn die Schwärze ist zerbröckelndes Weiß. |
| Dagnija Dreika: Spiegelungen |
Umschlag von Valentina Zeilé
lettisch-französisch-deutsch
66 Seiten, 21 x 13 cm, 6 €
__________________________
Dagnija ("dag ny" heißt "neuer Tag" auf schwedisch) Dreika, am 2. Mai
1951 in Riga geboren, schreibt Gedichte für Ohr (ihre Sprache singt, und
viele ihrer Gedichte wurden von berühmten lettischen Komponisten vertont)
und Auge (ihre Strophen sind oft kleine fantasievolle Bilder, die ihr die Natur
oder uralte Sagen eingegeben haben). Sie gilt als Erbin der Romantik und
des Neoklassizismus... Und sie verfügt über eine gehörige Portion Humor,
eine oft gallige Ironie.
Sie lebt von der Schriftstellerei (sie schreibt und übersetzt mehr als zwölf
Stunden am Tag) und hat außer Gedichten Märchen, Kurzprosa und
Kinderbücher verfaßt. Für den Regisseur Janis Cekuls, der Agatha
Christies The Mysterious Affair at Styles für das Fernsehen inszeniert
hat, hat sie das lettische Drehbuch geschrieben.
Dagnija Dreika hat die Kunstakademie in Riga besucht (sie hat einige
ihrer eigenen Bücher illustriert) und hat an der Universität Lettlands
Anglistik und Romanistik studiert (wobei sie Englisch und Französisch
mehr liest als spricht). Nur literarische Tätigkeit veranlaßt sie zu einer
Auslandsreise.
Als ihr erstes Buch erscheint (da ist sie 19 Jahre alt), sind ihre Gedichte
schon seit zwei Jahren in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht worden.
Dagnija Dreika ist auch literarische Übersetzerin. Ihre lettische Fassung
von Moby Dick hat 2oo4 den Preis der besten Übersetzung des Jahres
erhalten. Aus dem Englischen hat sie auch Jane Austen, die Bronte-
Schwestern und Iris Murdoch übersetzt. Aus dem Spanischen: Lope
de Vega. Aus dem Polnischen, Kroatischen, Russischen, Slowakischen...
Aus dem Französischen: Corneille (Le Cid), Marivaux, Victor Hugo,
Balzac, Simenon (18 Maigret-Romane!), Verlaine, Rimbaud, Verhaeren,
Rodenbach, Ghelderode, Claire Lejeune, Liliane Wouters, Rose-Marie
François... Derzeit bereitet sie eine zweisprachige Anthologie zeitge-
nössischer französischer Gedichte aus Belgien vor.
Dagnija Dreikas inneres Exil zieht sich auf ein Christentum der Katakomben
zurück, das mit Heidnischem - Feen, Geistern, sprechenden Tieren,
Zaubern und Hexen (raganas) - vermischt ist. Es gibt einen Gott, auch
einen Teufel, sie sind unter uns, und die Wände haben Ohren.
Die Dichterin ignoriert bewußt bestimmte Aspekte der heutigen Welt
(Konsum, Übertechnisierung) und ruft stattdessen, mal ironisch mal
traurig, den Mond, den Nebel oder das Meer an, wie in diesen schönen
Versen: "Ich bin [...] eine Tochter der Tiefen [...] / glatte, nasse Figur,
vom Meer behauen, / [...] die Tränen rinnen / und graben jeden
schlafenden Stein, [...] und mein Gesicht [...] wartet auf seinen
Künstler, / der Weinende Frauen malen wird, / die Fee mit dem
geheimen Wissen."
aus dem Nachwort von Rose-Marie François
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| Antoine Emaz: Tage |
französisch-deutsch 138 Seiten, 21 x 13 cm, 12 € ______________ 17. o3. o7 der Tag vergeht weich im Grau der festen Zeit der Garten ruhig die Bücher man sieht nicht was in dieser ruhigen Masse wie Unwohlsein zuschlägt man steckt Wörter ins Warten man füllt aus |
| Bluma Finkelstein: Alle Sterne werden es wissen |
französisch-deutsch 136 Seiten, 21 x 13 cm, 12 € ______________ ...Wir müssen, wir müssen das Gedächtnis verlassen, um zu überleben, vom Thron der wandernden Verfechter der Gerechtigkeit herabsteigen und uns unter die Menschen mischen. Das zuviel gesagte, zu sehr betonte Böse läßt den Behälter des Bösen überlaufen. Es leert nicht den Abszeß, sondern es nährt ihn. ... |
| Bluma Finkelstein: Am Anfang |
Mystische Gedichte zur Kabbala französisch-deutsch mit 1o Linolschnitten von Irène Boisaubert 54 Seiten, 21 x 13 cm, 6 € __________________________ Die Vorzugsausgabe enthält die 1o Original-Linolschnitte. Sie wurde auf Tintoretto crema 14o g in einer Auflage von 1o Exemplaren gedruckt, die von der Autorin und der Künstlerin signiert sind 27x2o cm, 25o € |
| Bluma Finkelstein: Mare nostrum |
französisch-deutsch 98 Seiten, 21 x 13 cm, 1o € __________________________ Ist das nicht Saul aus Tarsus, mit seiner mageren Gestalt und seinen schwankenden Beinen und seinem steifen Genick wie das Genick der Juden? Geschieht nicht durch ihn das Ärgernis, daß die Sünde eindringt unter die schlecht gewaschene Haut der Könige und Ritter? Läutet nicht er die Alarmglocke auf dem Tempelhügel? Überquert nicht er Unser Meer mit dem Boot der Frohen Botschaft? Brüder, es ist zu spät zur Umkehr, wir müssen wählen zwischen dem wahren Gott und dem Herrn der Kriege. Und da wurde er Paul. |
| Pierre Garnier: Denn wir leben und sterben kaum |
VERGRIFFEN Eine Chronik Umschlagillustration des Autors französisch-deutsch 22o Seiten, 2o,7 x 13 cm, 15 € ______________________________ "keine Sorge, Pierrot" sagte Onkel Pierre dem Leichenwagen der Großmutter folgend "im Sarg ist nichts" auf der Straße und auf der Landschaft lag wie ich mich erinnere, dicker Schnee und Onkel Pierre fügte hinzu - warum, hab ich nie begriffen: "im 21. Jahrhundert wird das Gedicht winzig sein" |
| Pierre Garnier: Die unbefleckte Empfängnis |
Litanei Umschlagillustration des Autors französisch-deutsch 2o1 Seiten, 22,7 x 14 cm, 15 € ___________________________________ in diesem Jahr ist keine Schwalbe gekommen noch letztes Jahr sind sie zurückgekommen beide Flügel so sehr gestreckt daß sie dünn wie ein Faden waren sie brachten bis in die Picardie den frischen Ton von Djenné man sah an der Rundung ihres Nests sie waren der Erdkrümmung gefolgt sie zogen die Ränder vor sie hielten sich nicht in den Bäumen auf sie werden nicht wiederkommen ____________________________________ Eine ausführliche, einfühlsame Rezension von Michael Meyers ist in der Online-Zeitschrift Die Gazette zu finden; eine eher kritische Auseinandersetzung von Tobias Lehmkuhl in satt. "DAS ERLEBEN REINEN SEINS Die Schaffenskraft des 74jährigen Pierre Garnier ist bewunderungswürdig: Kein Jahr vergeht, in dem nicht mindestens ein neuer Titel erscheint. Dies gilt sowohl für seine spatialistischen Experimente innerhalb der 'Raumpoesie' als auch für seine 'traditionelle' Ausdruckspoesie. Zu ihr zählt dieser vor kurzem erschienene zweisprachige Band Die unbefleckte Empfängnis. Wie schon in früheren Lyrikbüchern seines Spätwerkes hat der Dichter auch hier die Struktur einzelner Themen-Gedichte mit festgefügtem Strophenbau und herkömmlicher Reimanordnung aufgehoben zu Gunsten einer offenen, freirhythmischen Langgedichtform. Eine solche formale Ungebundenheit ermöglicht eine Poesie flanierender Gedanken, frei schweifender Assoziationen, auftauchender und verglimmender Erinnerungen, ständiger Zeitsprünge - eine Poesie collagenartiger, kaleidoskopischer Verschmelzung der Kernaussagen. Albert Camus schrieb einmal: 'Jeder Künstler besitzt in seinem tiefsten Inneren eine einzige Quelle, die sein Leben lang speist, was er ist und was er sagt.' Pierre Garniers 'Quelle' ist 'die unbefleckte Empfängnis der Welt' (so lautet der Untertitel des Werkes Marseille), das Leitmotiv seines Schaffens schlechthin. Entgegen jeder irrigen Vermutung handelt es sich nicht um eine religiöse Weltsicht konfessioneller Prägung. Garnier versteht darunter das Erleben reinen Seins, der Erfahrung einer 'anderen Zeit' (so ein früherer Titel), eine Welterkenntnis, die nach Novalis erst möglich wird, 'wenn nicht mehr Zahlen und Figuren / sind Schlüssel aller Kreaturen'. Der wahre Dichter weiß, 'es schläft ein Lied in allen Dingen' (Eichendorff), und er bringt es heil, unbefleckt zum Klingen. Daß es Garnier auch in diesem Werk um wesentliches Sein geht, deutet bereits das Motto des ersten Teiles an, ein Dante-Ausspruch: 'et maintenant Giotto a le cri". Dieser Maler des 13./14. Jahrhunderts war ein Meister der Darstellung innerer menschlicher Erlebnisse, der leisen Gebärden; seine Landschaften zeigten eine noch nie gesehene Tiefenwirkung. All diese Charakteristika treffen auf die lyrische Gestaltung Garniers zu: Er hat nichts Modernistisch-Marktschreierisches; er bevorzugt eine verhalten-elegische Tonlage; er konzentriert sich im Wesentlichen auf seine Heimatlandschaft, die Picardie (der er als Dichter alles verdankt, wie er einmal betonte), und er setzt in franziskanisch-einfacher Sprache Erlebnisse statt artifizieller Kopfgeburten ins poetische Bild. (...)" (Fritz Werf, in: D'Lëtzebuerger Land, 5.4.2oo2) |
| Pierre Garnier: Viola tricolor |
Umschlagillustration des Autors französisch-deutsch 168 Seiten, 21 x 14 cm, 12 € "Der kleine Verlag Im Wald in Rimbach hält eine Schatztruhe ungewöhnlicher anspruchsvoller Bände französischer Lyrik für alle bereit, die ihr Leseglück auch noch abseits der Buchhandelsketten suchen. Pierre Garnier, geboren 1928 in Amiens, berichtet uns hier in einer Reihe nachdenklicher Erzählgedichte von den Dingen, auf die es, wäre die Welt schön und gerecht, eigentlich ankommen müsste. Denn 'wer versteht, warum die Schmetterlinge den Blumen gleichen, hat einen Schlüssel zur Welt'. " (Iris Radisch, in: DIE ZEIT, 18. November 2oo4) |
| Laurent Grisel : Die Reuse |
Umschlagillustration: Benoît Jacques französisch-englisch-italienisch-deutsch Übersetzung ins Englische von Cid Corman Übersetzung ins Italienische von Fabio Scotto 7o Seiten, 24 x 24 cm, 14 € Nummerierte Vorzugsausgabe, in einer Schatulle, auf Kaschmirpapier 135 Gr., mit einer Originalgraphik von Benoît Jacques, 6o € "Rezension des Gesprächs zwischen Pierre Bourdieu und Hans Haacke, das in dem Buch LIBRE-ECHANGE veröffentlicht wurde. Der Soziologe und der Künstler diskutieren über den Einfluß der Multis auf die Welt der Kunst, über die Unabhängigkeit des Künstlers, die Rolle des Staates, die Einmischung der Künstler in das Tagesgeschehen. DIE REUSE setzt sich mit ihren Thesen auseinander und schlägt Gegenbeispiele oder andere Interpretationen derselben Tatsachen vor. So werden die Unterschiede zwischen Politik, Wissenschaft und Kunst nicht nur als Unterschiede zwischen Feldern - gemäß Bourdieus Terminologie - analysiert, sondern auch als Unterschiede in der Herangehensweise, im Erleben und in den Darstellungen des Wirklichen. DIE REUSE ist ein Gedicht. Weil die Konfrontation mit der Praxis Hans Haackes und anderer bildender Künstler Fragen über die Themen der Dichtung, ihre Ausdrucksmittel und ihre Beziehung zum Publikum aufwirft. DIE REUSE ist ein Gedicht. Lyrik und Prosa, alle Arten von Lyrik reiben sich darin aneinander. Dichtung an den Grenzen. (...)" "(...) ist hier für alle Leser, die Freude am sprachlichen Abenteuer der Poesie empfinden, ein Genuß für Auge und Gehör gelungen." (Tobias Burghardt, in: Stuttgarter Zeitung, 17.1.2oo3) |
| Yves Heurté: Erinnerung an das Böse |
Umschlagillustrationen von Winfried Veit französisch-deutsch 94 Seiten, 21 x 13 cm, 8 € "(...) Überrascht hat mich auch die Beschuldigung unseres Freundes, ich reite immer wieder auf dem herum, was den Juden widerfahren ist; dabei spiele ich in all diesen Gedichten gerade darauf sehr selten an, zwei- oder dreimal. Und um von anderen Dingen zu sprechen. Was im Kosovo geschieht, sollte unserem Freund klarmachen, daß nichts von dem, was man für beigelegt hielt und so gerne vergessen möchte, beigelegt ist, daß die Bestie immer noch lebt und wir ihr gegenüber immer noch ebenso ungerüstet sind. Aber im Getöse der Medien ist s schwer geworden, "anders" zu sprechen. Sollte ich beweisen müssen, daß Klarsicht zum Handeln führt, könnte ich vor unserem Freund ausbreiten, wie beständig in mehr als sechzig Jahren mein Engagement gewesen ist und noch jetzt ist, auch wenn es bewußt von einer gewissen Distanz geprägt ist, die aber etwas anderes als Hoffnungslosigkeit ist. (...) Antwort des Verfassers auf einen Leserbrief im Heft zuvor, in: Impressum, Heft 15, August 1999 |
| Emile Hemmen: Fährtenspiele |
Umschlag: Georges Le Bayon französisch-deutsch 156 Seiten, 21 x 13 cm, 12 € ___________________________ Ein Zimmer, das atmet in meinem Schlaf. Draußen teilt die Nacht den Schnee mit dem Regen. Diese Augenblicke ohne Worte, die Ordnung der Dinge, die absurde Geschichte eines Lebens. Grau überzogenes Leben, und ich tauche hinein, mit geschlossenen Augen, mit Träumen, die sich anandere Träume heften. |
| Alain Jean-André: Unsteter Odysseus |
Illustrationen: Jean-Pierre Lécuyer französisch-deutsch 14o Seiten, 21 x 13 cm, 12 € ___________________________ IN EINEM ARBEITERVIERTEL In einem Arbeiterviertel traf ich ihn eines Abends wieder. Er tauchte auf aus dem Verkehr; die Neonlichter huschten die Fassaden entlang. Wir gingen in eine fast leere Kneipe und sprachen halblaut miteinander: Gemeinplätze, zerbrechlich wie Schwüre. An einen seiner Sätze erinnere ich mich, wie er kläglich die Achse eines Daseins gestand. Sie glänzt noch im Zentrum des Wirbels, ein sonderbares Karussell, das kann ich dir sagen. Nichts hab ich behalten als dieses armselige Bild. |
| Alain Jean-André: Zwischen Erde und Wolken |
Umschlag: Alain Jean-André französisch-deutsch 118 Seiten, 21 x 13 cm, 11 € ___________________________ ARKTISCHE ZEICHEN Überm schweren Torfmoor die weißen Federbüsche des Wollgrases im Junilicht Sie haben Verwandte bis hinauf zum Polarkreis in nächster Nähe des arktischen Eises verlorene Wachposten der langsamen weißen Heere die sich jetzt zurückgezogen haben nördlich vom vergeßlichen Gedächtnis |
| Daniel Leduc: Das Buch der Nomaden |
Mit Illustrationen von Bertrand Sylvestre französisch-deutsch 2o3 Seiten, 11 x 8 cm, 1o € ______________ Wir legen den Weg zu jeder Verwunderung nur mit immer neuem Hunger immer neuem Durst zurück |
| Alain Leverrier: Begegnung auf dem Seil |
französisch-deutsch 156 Seiten, 2o x 13 cm, 1o € "(...) In diesen überraschenden Randbemerkungen, scheinbar zufälligen Beobachtungen offenbart sich ein sensibler Zeitgenosse, der an der "Zeit der Tölpel und Raffer" leidet. Eine einsame Seele an der Endstation Sehnsucht. Leverriers Gedichte verweigern sich dem Zeitgeist, sind im besten Sinne altmodisch. Das gilt für seine Selbstreflexionen ebenso wie für seine Liebeslyrik. "Das Gedicht ist der Augenblick, in dem man aufhört, eine Show abzuziehen." " radl, in: Nürnberger Nachrichten, 18. Oktober 1995 |
| Jean-Paul Mestas: Lange danach |
Umschlag: Chris Mestas französisch-deutsch 68 Seiten, 21 x 13 cm 8 € ______________________________ LONGTEMPS APRÈS J'ai tout relu: les manuscrits, les apocryphes et quelques lettres... Il en est sorti des oiseaux qui ont semblé venir de plusieurs conches à musique, un chant du fond des âges. |
| Félix Molitor: Leyla |
Illustrationen: Béatrice Garcia französisch-arabisch-deutsch Übersetzung ins Arabische von Jalel El Gharbi 118 Seiten, 21 x 13 cm, 12 € ___________________________________________________ Madschnun ist in der Wüste gestorben. Weil er das Trugbild jener verfolgte, die ihm für immer vorenthalten bleiben sollte. Das Wesen des Verlangens liegt im unsteten Suchen. Das Wesen des Suchens liegt im Jenseits. Das Suchen gipfelt im Wahnsinn, der in den Tod eintaucht. Mit einer letzten Vision Einer Vision, die von einer Leere ein Wort zurückläßt, einen Namen, einen Blick von anderswoher. Leila, persische Legende, jenseits jeder Gestalt, jeder Gestaltung, jedes Besitzes, Archetyp der hoffnungslosen Liebe zum Unerreichbaren, (...) (aus der Einleitung zum Gedicht) |
| Judy Pfau: Lilienland |
Umschlag: Viko Bauer
englisch-französisch-deutsch
Übersetzung ins Französische durch die Autorin
16o Seiten, 21 x 13 cm, 12 €
__________________________
MORGENLIED
Immer neu
dein Gesicht
im erwachenden Tag
in deiner Hand
gefangen der Vogel
den meine Worte
befreien.
|
| Mireille Podchlebnik: Fährmann des Sinns |
französisch-jiddisch-deutsch Umschlag: Sylvie Donaire Übersetzung ins Jiddische von Gilles Rozier, durchgesehen von Yitskhok Niborski Vorwort: Frédérique Despesse 62 Seiten, 21 x 21 cm, 1o € ___________________________________________________ Vorwort: An einem Mittwoch, in einer dieser etwas ruhigeren, den Kindern gewidmeten Stunden, sind wir uns das erste Mal begegnet. Aus den Zimmern drangen die Klänge eifrig geübter Musik auf die Gänge. Einander zulächeln, grüßen, so ging das eine Zeit lang, bis wir 2oo5 eines Nachmittags zu einem Kaffee beieinandersaßen. Es gibt solche Augenblicke, wo das Leben sich an einer Gabelung entscheidet, ohne daß wir es merken. Wir sind im selben Jahr geboren, kaum ein Monat Altersunterschied. Mireille P. erzählt mir von ihrer Kindheit, ihrer Familie, von Verschleppung und Leid. Mein Weg ist ganz anders. Vom Krieg habe ich den Mangel in Erinnerung, die Kinder, die aufs Land geschickt wurden, die Gefangenschaft des Großvaters. Und doch wird mir klar, daß ich ihre Geschichte kenne. Sie gehört zu meiner eigenen Vergangenheit, die Schicksale unserer Großeltern, unserer Eltern haben sich gekreuzt. Das ist das "alte Europa". Ich habe Bücher gelesen, Dokumentar- und Spielfilme gesehen, die von ihm handeln. Das Schwarzweiß der Bilder ist trügerisch, es verweist uns auf eine Zeit, die ferner scheint, als sie ist. Aber an jenem Tag hatte ich offizielle Papiere vor mir, mit den Stempeln der Vichy-Regierung, und handgeschriebene Briefe, in denen es um unwiderrufliche Entscheidungen ging. Namen und Tatsachen geriten in Verbindung mit einer spürbaren Gegenwart und bekamen ein Gesicht. Alle diese Dokumente sind das Ergebnis mühseliger, meistens schmerzlicher Nachforschungen; Mireille P. erklärt mir, wie kompliziert sie sind und welche verwirrenden Gefühle sie auslösen. So viele Leben, die zu tragen, die der kommenden Generation weiterzugeben sind. Das Schreiben ergibt sich da von selbst, es wird zum Behälter der Erinnerungen, den man aufbewahren und im geeigneten Augenblick weitergeben kann. Seit jenem Tag ist ihr Vater dahingegangen. Mireille P. zeigt mir ihre Gedichte. Ich finde darin die Spuren ihrer Geschichte. Ihre Verse werden ins Deutsche übersetzt und ins Jiddische, die Sprache ihrer Mutter. So werden die Geheimniswörter, die Erinnerungswörter gegen die Gesetze der Physik verstoßen können. Zeitlos geworden, erstatten sie eine andere Zeit zurück, die ihrer Kindheit, ihrer Wurzeln. |
| Jean Rivet: Da nahm Charlotte mich bei der Hand |
Umschlagillustration von Grundschülern aus Blainville-sur-Orne Vorwort von Jean Breton französisch-deutsch 1o5 Seiten, 21 x 13 cm, 1o € "(...) inspiriert durch das Enkelkind, das dem Großvater häufige Besuche abstattet, in einem Garten in der Normandie, in dem er die Wörter aufzieht. Jean Breton verspricht wahrlich nicht zuviel, wenn er in seinem Vorwort dazu schreibt: 'Gegen das Unbeständige und das Unbekannte, die Drohungen der Zukunft und die Laster der Bequemlichkeit, der Konventionen und der Förmlichkeiten stellt Jean Rivet Sträuße aus Erinnerungen von wollüstiger Schwermut zusammen, die mit trauriger, musikalischer Beharrlichkeit ausgekostet wird und einem Herzklopfen abgerungen ist, das unser geheimsts Inneres mit Wohlgeruch und Helle erfüllt." Joachim Linke, in: Lichtung, Heft 3 / 1999 |
| Jean Rivet: Schnee im Blick |
Umschlagillustration: Loïc Faucheux französisch-deutsch 94 Seiten, 21 x 13 cm, 1o € _______________________ Ein Mädchen das tanzt tanzt weißes wirbelndes Kleid Winter Sommerabend das tanzt barfuß tanzt in der Sternennacht |
| Aki Roukas: Lieder von der Glut der Vergangenheit |
Umschlagillustration von Arthur Grosemans griechisch-französisch-deutsch Übersetzung ins Französische durch den Autor und Mimy Kinet 73 Seiten, 22 x 14 cm, 14 € "(...) Hätte der Autor eine deutsche Sozialisation hinter sich, der vorliegende Text wäre wegen seiner völligen Unglaubwürdigkeit nicht der Rede wert. So aber nötigen uns die Worte eines vermutlich nicht mehr jungen Griechen Respekt ab durch die Art, wie er von den Orten seiner Kindheit, den Ritualen, seinen Angehörigen, seinen Ahnen spricht. (...) Roukas besingt keine heile Welt, das ist sie nicht einmal in der Erinnerung, kein Schmerz wird beschönigt, nur eines ist diese Welt nicht: belanglos. Alles hatte einmal Sinn und Bedeutung. Nun hat man dieser Welt "das Genick gebrochen". Trotzdem schlägt dieser Autor nicht immer den traurigen Ton an. (...) Kurz und gut, ein dünner, aber gehaltvoller Band, den man guten Gewissens empfehlen kann." Hubert Brunträger, in: Zeichen und Wunder, Nr. 21, April 1995 |
| Claude Saguet: Der Raum der Nacht |
Umschlagillustration vom Autor französisch-spanisch-deutsch Übersetzung ins Spanische von Eric Fraj Vorwort von Henri Heurtebise 97 Seiten, 21 x 13 cm, 8 € Koedition von 8 französischen Verlagen, 3 französischen Zeitschriften, je einem belgischen und deutschen Verlag, koordiniert von der Autorenvereinigung Le Passe-Mots, Toulouse "(...) Nur wenige Gedichte, in denen sie nicht auch wörtlich erscheint, diese Nacht. Selten, ganz selten, durchzittert sie ein Strahl wie beispielsweise: "Das Licht ist überall, / wohin der Blick sich wendet, / und der Schatten ruht / vergessen unter Bäumen..." Saguets Nächte und ihre Räume sind ansonsten fast ausschließlich mond- und lichtlos, ohne Hoffnung, ohne Angebot, nicht der geringste Streifen von Morgenröte. Und mitten in diesem Schwarz "...ein Wasser das umstürzt, -...gehülltes Feuer -...unendlich verletzt / der Schatten des Dichters - ...verliebt in den Klang der Wörter..." Und dieses Verliebtsein muß es sein, das Wortbilder erschaffen kann, die ihresgleichen suchen müßten. Wortbilder, denen man sich hingibt, ob man will oder nicht. (...) Außerdem wird manch einer von jenen, "...die niemanden erwarten; / die aus der Vergangenheit kommen / und nirgendwo hingehn..." sich hier wiederfinden und so zu Wort kommen. (...)" Helgard v. Spiegel, in: Impressum, Nr. 3 Juli-Sept. 1996 |
| Annie Salager: Tango und Meer |
französisch-deutsch 35 Seiten, 21 x 13 cm, 5 € ___________________________ "Mal barock mal nüchtern, gesättigt mit Leben und Leidenschaft, mit Sonnenbränden, Aufbruch und Wiederkehr, immer am Puls der Welt, Lyrik der "inneren Abrüstung", die Hoffnung auf eine endlich uns gehörende Erde erfindend, das alles sind Annie Salagers Gedichte. (Jean-Yves Masson, in: Aujourd'hui poème no 8) ___________________________ DER TANGO DER ZEIT Nichts habe ich wiedererkannt auf der Insel wo wir gewohnt hatten weder Haus noch Hafen die Weiße der Segel den Geruch der Tage die Luftmassen hatten auf uns gelastet die Wellen die Kinder zerstreut die Liebe die Lie be auf den von Kiefern violetten Bergen ich fühlte mich getragen unter dem Lichterspiel vom sehr dunklen indirekten Weg aus Kreisen und Hinundher von der Chimäre dem Tango der Zeit |
| Lucie Spède: Das Lied von den Bäumen |
Umschlag und Illustrationen von Rik Hamblok französisch-niederländisch-deutsch Übersetzung ins Niederländische von Arend 1o7 Seiten, 21 x 13 cm, 12 € _____________________________ Wie der Baum am Ende der Zweige in Reichweite der Herzen Hände ausstrecken die vielfachen grünen Hände der Hoffnung. (Grün wie die Hoffnung) |
| Jean-Pierre Spilmont: Zwischenstationen |
Umschlag: Foto des Autors vom Baikalsee französisch-deutsch 68 Seiten, 21 x 13 cm, 7 € _____________________________ |
| Fabienne Swiatly: Sans voix / Stimmlos |
In zwei Sprachen (Französisch und Deutsch) geschriebenes Gedicht 34 Seiten, 21 x 13 cm, 6 € _____________________________ Parler parler avec la langue enfouie la langue égarée la langue refusée pas la langue silencieuse pas la langue bâillonnée non la langue tenue à distance la langue parlée par la mère muttersprache la langue allemande la langue aphone Parler tenter quelque chose avec la langue maternelle was mit der muttersprache ouvrir la bouche ouvrir le passage mund öffnen (...) ______________________________ |
| Teresa Tomsia : Schöner |
Umschlagillustrationen von Pawel Josz und
Chrystian Gomolec
polnisch-französisch-deutsch
Übersetzung ins Französische: Claude-Henry du Bord
und Christophe Jezewski
Übersetzung ins Deutsche: Dorothea Müller-Ott
1o5 Seiten, 21 x 13 cm, 1o €
"Zweifelnd gehe ich, sagt Teresa Tomsia, und dies ist ein
optimistisches Bekenntnis, weil es darauf hinweist, daß
dieser Weg zu Liebe, Reinheit und Wahrheit führt. Ich
möchte nicht in den Verdacht kommen, zu große Worte
zu gebrauchen, aber in der Atmosphäre dieser Poesie
liegt ein Hauch von Zbigniew Herbert."
Warschau, September 1996
Krzysztof Maslon
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AUF DURCHREISE IN TÜBINGEN
Johannes Poethen gewidmet
Die Platanen
halten den Raum zurück
Wir gehen hinein
in das Grün durch einen Lichtstrahl
Die Zwiegespräche der Glocken
rufen die Stunden herbei
Stille
breitet sich unten aus
Wir nehmen Hölderlins Turm mit
der entschwindet
im Wasserfall der Trauerweide
und tragen ihn weiter
wie der Neckar
in dessen Strömung sein Bild versank
an einem Mittag im August
2o. August 1997
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| Lucien Wasselin: Dunkle Stimme |
Umschlag: Patrick Vernet Vorwort von Pierre Dhainaut französisch-deutsch 96 Seiten, 2o,7 x 13 cm, 12 € "Ein klarsichtiger Dichter, der von ihm verwendeten Mittel so bewußt, wie es nur möglich ist: als solcher erscheint mir Lucien Wasselin sofort, in Dunkle Stimme wie in seinen vorausgegangenen Büchern und noch mehr als in diesen. Es genügt ja nicht, sich den Lügen aller Art zu verweigern, die uns Tag für Tag eingeschärft werden: was man Dichtung nennt, ist nur zu leicht selber eine Lüge. Auch wenn die Lyrik schon lange ihre Unschuld verloren hat und einer hochnotpeinlichen Befragung unterworfen worden ist - will sie uns nicht immer noch vormachen, das Anderswo, von dem wir träumen, sei schon hier? So rein scheinen ihre Wörter, selbst diejenigen, die nicht zu ihren angestammten Wortschatz gehören: kaum erscheinen sie einzeln auf dem Blatt, beschwören sie eine erlöste Welt herauf. (Da ist zum Beispiel der Atem unendlich weit.) Lucien Wasselin ist nie bereit gewesen, sich von derartigem Zauber täuschen zu lassen. Er schreibt 'mit dem Rücken zur Wand'. (...)" Pierre Dhainaut, Vorwort |
| René Welter: Ein Wort an der Grenze |
Umschlag: Roger Bertemes
Vorwort von Gaspard Hons
französisch-englisch-deutsch
Übersetzung ins Englische von Janine Goedert
152 Seiten, 21 x 13 cm, 12 €
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Der vorliegende Gedichtband setzt sich aus drei Teilen zusammen:
Ein Wort an der Grenze, mit einleitenden Gedichten von Marcel Migozzi
und Gaspard Hons, Operation im roten Notizblock die Hoffnung
wiederherstellen und Obdachlos.
Drei verschiedene, sich ergänzende Wege zur Schwelle, an den
Grenzen des Wortes; in Ein Wort an der Grenze schwingt das
beständige Zwiegespräch mit Marcel Migozzi, Gaspard Hons
und Paul Celan mit.
Operation im roten Notizblock die Hoffnung wiederherstellen bezeugt,
über den Krieg in Mesopotamien hinaus, den Willen, sich den
Kollateralschäden der Lüge zu widersetzen, die als
Massenvernichtungsmittel eingesetzt wird.
Obdachlos : siehe auf der Straße und im Wort selber.
Die herben Zeichen René Welters stranden in Büchern,
die dicht sind wie Kristalle am unmöglichen Strand des
Herzens der Menschheit.
Gaspard Hons
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Verlag im Wald © 2007
Design: Ralf Schirneck